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Das Wahlergebnis der USA

Die Amerikaner haben gewählt – und die Welt verfällt wahlweise in Panik oder Freudentaumel. Aber wie kann man sinnvoll mit dem Wahlergebnis umgehen? Wichtig ist zunächst, die Fakten nüchtern zu betrachten. Unqualifizierte Meinungen, die nicht auf Tatsachen beruhen, sollten aus dem Unterricht zunächst fernbleiben – die kann man anschließend immer noch diskutieren, wenn eine gewisse Grundlage geschaffen ist.

Allgemeine Hintergründe

  • Um die Diskussion um das „unfaire“ Wahlsystem zu verstehen, kann man den Schülern erst eine (für amerikanische Kinder gemachte) Erklärung zeigen.
    • Hier ist es besonders wichtig, den Unterschied zwischen popular vote (= Wählerstimmen) und electoral vote (= Wahlmännerstimmen) zu klären.
  • Welche Macht hat ein US-Präsident eigentlich?
  • Das Wahlergebnis und Umfragen dazu auf CNN.
    • Der Unterschied zwischen Wähler- und Wahlmännerstimmen lässt sich bei diesem Ergebnis besonders gut sehen: Die Mehrheit der Wähler war für Clinton, doch aufgrund des Systems hat Trump gewonnen. Das gab es zuletzt im Jahr 2000, als Al Gore mehr Stimmen als George W. Bush hatte.
  • Die Siegesrede von Donald Trump (Nur bis 6:07 Min., danach dankt er noch ein paar Leuten.)
    • Leitfragen dazu: Wie wirkt er hier im Vergleich zum Wahlkampf? Was sagt er jetzt über Hillary Clinton? Welche Botschaft hat er für andere Länder?
  • Einen sehr guten Überblick gibt es bei den Tagesthemen, besonders die Folge vom Tag nach der Wahl.

Reaktionen deutscher Politiker

Meinungen analysieren

Beispiel 1: „Amerika ist dumm“

Nach den Informationen und ersten Meinungen, kann man sich der Königsdisziplin widmen: der Auseinandersetzung mit den rohen, ungefilterten Aussagen mancher Leute in den sozialen Medien. Davon gibt es jede Menge, und jeder hat in seinem Newsfeed entsprechende Beispiele. Es geht nicht darum, Meinungen als falsch oder richtig zu bewerten, sondern ihren Wahrheitsgehalt zu ergründen. Ich möchte das an einem Beispiel demonstrieren, das ich in meinem eigenen Newsfeed auf Facebook gesehen habe.

lukeDer Fernsehmoderator Luke Mockridge hat diesen Kommentar auf Facebook gepostet und dafür bisher 158.059 Likes bzw. andere positive Rückmeldungen bekommen. Außerdem haben 7.308 Leute diesen Beitrag geteilt (Stand: 12.11.16). Hunderttausende Facebook-Nutzer haben also, ob gewollt oder nicht, diese Aussage gesehen, inklusive der Top-Kommentare darunter. Es lassen sich auch viele andere, ähnliche Aussagen finden, und schnell stimmen die Leute in den Tenor ein, ohne den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu prüfen. Natürlich ist klar, dass nicht alle Amerikaner „dumm“ sind, und es ist ja auch nur als Witz gedacht. Trotzdem geht es darum, Vorurteile zu hinterfragen.

edu

Schaut man sich nun unter oben genannter Adresse auf der CNN-Seite eine der Umfragen an, so findet man auch die Kategorie „education“ (Bildung). Auf den ersten Blick bestätigt sich aufgrund der farblichen Unterlegung der Verdacht, dass Menschen mit niedrigerer Bildung hauptsächlich Trump wählen. Vergleicht man aber die Zahlen genauer, so ist der Unterschied nicht ganz so groß. Immerhin haben 45% der Menschen, die höchstens eine High School (vergleichbar mit Haupt-/Realschule) besucht haben, für Clinton gestimmt. Am oberen Spektrum dagegen sieht man, dass ebenfalls 45% der College-Absolventen für Trump gestimmt haben, und allein diese Gruppe macht immerhin 32% der Wähler aus, ist also viel größer als die Gruppe der High School-Absolventen (18%). Die Aussage von Luke Mockridge ist daher zu plump und lässt sich mit Fakten nicht untermauern.

Beispiel 2: Clintons „message“ vs. Clinton-Anhäger

Besonders fatal ist das Verhalten einiger Clinton-Anhänger nach der Wahl. In vielen Städten gab und gibt es Demonstrationen gegen das Ergebnis. Kritisch ist aber, wenn diese friedlichen Demonstrationen gewalttätig werden oder zu Gewalt aufrufen, wie z.B. eine Frau während einer Demo auf CNN meint: „There will be casualties on both side. People have to die to make a change in this world.“ (Es wird auf beiden Seiten Opfer geben. Menschen müssen sterben, um eine Veränderung in dieser Welt zu erreichen.)

Die Ironie dabei: Clintons Kampagne lief unter dem Motto „love trumps hate“ (Liebe übertrumpft Hass). Dass nun ausgerechnet Anhänger dieses Mottos sich als schlechte Verlierer zeigen und zum Teil ihren Hass offen auf die Straße tragen, ist ein gefundenes Fressen für die Trump-Anhänger, welche die Demonstranten nun als „hypocrites“ (Heuchler) beschimpfen und sich als moralische Sieger sehen können. Dabei geht leider völlig unter, dass gerade Trump einen besonders aggressiven Wahlkampf geführt und überhaupt erst die Stimmung angeheizt hat. Auf beiden Seiten findet man nun im Netz Bilder und Kommentare, die den jeweils anderen Wut und Hass vorwerfen.

(Hinweis: Zu diesem Thema findet man komischerweise nichts in sogenannten „Qualitätsmedien“. Die Google-Suche zu „clinton supporters riot“ oder ähnlichen Begriffen liefert absolut keine Ergebnisse namhafter Medien!)

Hinweise für den Unterricht

  • Wahlkampf: Wie man es auch dreht, diese Wahl war eine besondere. Zwar sind US-Wahlkämpfe oft unter der Gürtellinie, aber in diesem Fall war es besonders aggressiv – von beiden Seiten. Dieses Verhalten kann man z.B. mit deutschen Wahlkämpfen vergleichen und diskutieren.
  • Wahlsystem: Auch das System der USA kann man hinterfragen und mit unserem System zur Bundestagswahl vergleichen. Wo sind jeweils Vor- und Nachteile?
  • Grundrechte: Deutsche Politiker sprechen ständig davon, wie wichtig unsere gemeinsamen Werte mit den USA seien. Dazu kann man z.B. das Grundgesetz heranziehen und schauen, welche Werte bei uns in der Verfassung verankert sind.
  • Zu Trumps politischen Inhalten kann man noch nicht viel sagen, dazu sollte man hin und wieder bei amerikanischen Nachrichtenseiten vorbeischauen. Die deutschen Medien sind da etwas hinterher.
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