Englisch, Unterricht

Shakespeare für zwischendurch: die Sonette

Die letzten Wochen war ich etwas faul, habe aber auch über Ideen nachgedacht, die ich hier vorstellen kann. Die erste betrifft den Englischunterricht. Lehrplanbedingt verbringen wir sehr viel Zeit mit Sachtexten und Diskussionen. Dabei kommt Literatur oft zu kurz – erst recht Klassiker wie Shakespeare. Wie nimmt man Schülern die „Angst“ vor dem großen Namen und lässt sie ein bisschen kreativ werden? Das geht leichter als gedacht mit den Sonetten.

In der Eingangsklasse (Klasse 11) möchte ich schon klarmachen, dass ich auch Wert auf „Klassiker“ lege und bringe daher Shakespeare. Kollegen mögen einen zwar für verrückt halten, aber warum sollte das eigentlich nicht gehen? Ein Sonett ist kurz und folgt einer klaren Form, es ist also ideal geeignet für einen kleinen Einblick in Shakespeares Werk. Außerdem bieten Liebesgedichte ganz klare Anknüpfungspunkte für Jugendliche, denn ob sie es zugeben oder nicht, verliebt waren/sind bestimmt schon einige. Hier ist also mein Plan für den Einsatz von Shakespeares Sonetten in der Oberstufe.

Die erste Konfrontation

Vor dem Lesen

Ich habe mich natürlich für die berühmten Sonette 18 und 130 entschieden. Beides sind Liebesgedichte, aber sie behandeln das Thema auf verschiedene Art, weshalb sich eine Gegenüberstellung lohnt. Bevor es an den eigentlichen Text geht, zeige ich noch Visualisierungen wie z.B. ein Faksimile, das man auf Wikipedia finden kann (und das auch aufs Arbeitsblatt kommen kann).

Da es zunächst vielen schwer fallen könnte, die Sprache Shakespeares sofort zu verstehen, nutze ich neben dem „original text“ noch einen „modern text“. Beides findet man bei „No Fear Shakespeare“ bei SparkNotes. Jedes Sonett kommt auf eine Seite, darunter evtl. Wortangaben und dann die Arbeitsaufträge.

Zuerst anhören

Um die Schüler nicht alleine mit den unbekannten Texten zu lassen, geht es zunächst los mit Rezitationen. Es gibt verschiedene Hörstücke der Sonette auf YouTube zu finden. Meine Favoriten sind folgende:

Da ich in überwiegend weiblichen Klassen unterrichte und es sich um Schauspieler handelt, die viele kennen, kann ich versichern, dass hier alle aufmerksam zuhören. Am besten ist es, die Schüler lesen die Sonette gleichzeitig mit. Alternativ gibt es auch Videos auf YouTube, bei denen man mitlesen kann, aber es ist einfacher auf Papier.

Die Analyse

Mit Sonett 18 geht es los. Hier lasse ich zunächst Metrum und Reimschema markieren, das kennen viele auch schon aus dem Deutschunterricht. Anschließend kann man die Form des Shakespeare-Sonetts nochmal als Tafelbild festhalten (ich habe es in meine PowerPoint-Datei eingebaut).

Nach der Form folgt der Inhalt. Man kann die Schüler z.B. das ganze Stück in einem Satz zusammenfassen lassen. Anschließend sollen sie die Vergleiche erklären und welche Wirkung diese haben. Hier kann man z.B. auf imagery (Metaphorik, Symbolik) eingehen und verschiedene Beispiele suchen lassen. Zum Schluss sollen die Schüler Form und Inhalt zusammenbringen und erklären, was jeweils die Grundaussage des octet (= die ersten acht Zeilen) und des sestet (= die letzten sechs Zeilen) ist.

In Sonett 130 braucht man die Form nicht wiederholen, sie ist ja gleich. Hier werden zuerst die Themen der drei quatrains (Vierzeiler) und des couplet (Zweizeiler am Ende) erschlossen. Die Hauptaufgabe ist es dann, die Andersartigkeit des Sonetts im Vergleich zu anderen Liebesgedichten zu erkennen und an Beispielen herauszuarbeiten. Hier ist es wichtig, dass die Grundaussage des Sonetts klar ist. Besonders die Aussage des couplets sollte noch einmal festgehalten werden. Abschließend sollen die Schüler überlegen, weshalb Shakespeare sich für diese Schreibweise entschieden haben könnte.

Die Kreativarbeit

Als krönender Abschluss sollen die Schüler nun kreativ werden und selbst ein Sonett schreiben, am besten in Gruppen. Dazu bekommen sie noch einmal ein Infoblatt mit „Regeln“ für das Sonett, sodass sie etwas haben, woran sie sich orientieren können. Das Thema ist relativ frei, der Einfachheit halber kann man es bei Liebeslyrik belassen.

Hier haben die Schüler immer wieder Ehrgeiz bewiesen und versucht, schöne Gedichte abzuliefern. Manchmal werden es auch alberne Spaßgedichte, was ja legitim ist. Im Vordergrund steht hier, dass die Schüler ein Gefühl dafür bekommen, wie es für einen Autor ist, einen Text in eine gewisse Form zu bekommen. Und natürlich sollen sie sich einfach auch kreativ austoben können.

Als Beispiel sind hier zwei Schülerergebnisse aus solch einer Arbeitsphase:

Weitere Verwendung

Nachdem die Gruppen fertig sind, kann man noch einen Schritt weitergehen und eine „Best of“-Lösung der Klasse erstellen. Das funktioniert besonders gut, wenn das Thema etwas enger gefasst ist, also z.B. auf jeden Fall jede Gruppe ein Liebesgedicht geschrieben hat. Hier kommt einem die Form des Sonetts zugute: die quatrains sind im Idealfall nämlich austauschbar. Ich kann also aus drei verschiedenen Sonetten jeweils ein quatrain entnehmen und aus einer letzten Gruppe noch das couplet, und schon habe ich ein neues Klassenergebnis!

Eine weitere Verwendungsidee kommt aus dem bisherigen Schulbuch für die Jahrgangsstufe („Crossover 2“). Im Themenbereich „Einwanderung in die USA“ wird vorgeschlagen, das Gedicht „The New Colossus“ zu analysieren, das in den USA recht bekannt ist und gerne zitiert wird, mitunter auch in Karikaturen. Das Gedicht ist auf einer Bronzeplatte in der Freiheitsstatue zu sehen. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Sonett, sodass man hier noch einmal kurz das Thema wiederholen kann. Auch hier habe ich die Schüler dann ein Sonett zum Thema „Immigration today“ schreiben lassen. Es muss also nicht immer Shakespeare sein.

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