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Social Media im Wahlkampf (2): Der Filterblasen-Test

Über das Phänomen der Filterblasen ist schon viel geschrieben worden, in einem früheren Beitrag habe ich es auch bereits erwähnt. Seit der Brexit-Abstimmung, dem US-Wahlkampf und anderen Ereignissen hat das Thema aber an Brisanz gewonnen und findet auch in den Medien zunehmend mehr Beachtung. Nun hat die Süddeutsche Zeitung einen Test veröffentlicht, mit dem man das eigene Facebook-Profil auswerten lassen kann: Welcher Partei könnte ich nahestehen?

Natürlich habe ich das direkt ausprobiert. Dass ich zum Beispiel nicht gerade dem Reichsbürger-Lager zuzuordnen bin ist ja kein Geheimnis und allein schon an meinen öffentlichen Beiträgen sichtbar. Aber was sagen denn die vielen Likes aus? Am einfachsten ist es natürlich, wenn jemand öffentlich eine Partei „liket“. Aber selbst Filme, Bands und Bücher lassen sich zuordnen.

Die Methodik wird von der SZ genauer beschrieben. Wichtig dabei ist: Es handelt sich nur um reine Statistik und keine Bewertung. Hier werden schlicht die Korrelationen von Likes verschiedener Personengruppen verrechnet, was wahrscheinlich bei manchen auch zu merkwürdigen Ergebnissen führen könnte. Wenn ich beispielsweise zufällig einen Film mag, den viele Neonazis mögen, sonst aber keine Likes auf Facebook verteilt habe, dann werde ich wohl auch in die rechte Ecke gerückt. Wenn ich aber Seiten wie die Junge Freiheit („das ideologische Mutterschiff des Rechtspopulismus“, welt.de), das Compact-Magazin oder irgendwelche abstrusen Anonymous-Ableger „like“, dann darf ich mich über die entsprechende Einordnung nicht wundern.

Mein Ergebnis sieht folgendermaßen aus:

filterblase-test

Dass die rechten/konservativen Parteien bei mir eher weiter unten rangieren verwundert mich nicht gerade. Die FDP hätte ich aber nicht auf Platz 1 erwartet. Na ja, denke ich, das liegt vielleicht auch einfach am Alter der Facebook-Nutzer. Wie viele CSU-Anhänger haben überhaupt Facebook-Accounts? Vielleicht legen sich ja welche einen zu, um mit dem CSU-Bot zu chatten

Die SZ listet zum Glück noch einmal alle Parteien einzeln auf, zusammen mit meinen Likes, die mich in deren Nähe gerückt haben. Auf den ersten Blick scheint das ein bisschen eintönig.

Auffällig ist zum Beispiel, dass die Satireseite „Postillon“ jeweils an erster Stelle steht. Wie aussagekräftig kann das also sein? Lediglich die Punktezahl variiert und kann daher zur Einordnung genutzt werden. Die Fernsehserien „How I Met Your Mother“ und „The Big Bang Theory“ tauchen ebenfalls überall auf. Abweichend sind nur „Star Wars“ bei CSU und SPD sowie „Metallica“ bei AfD. Zugegeben, die SZ schreibt ja direkt beim Ergebnis, dass nur 30 meiner Likes zugeordnet werden konnten. Natürlich fällt so ein politisches Profil differenzierter aus, wenn man mehr Likes verteilt.

Verwendung in der Schule

Da fast alle Schüler einen Facebook-Account besitzen und auch fleißig Likes verteilen, ist es natürlich naheliegend, diesen Test einmal im Unterricht zu thematisieren. So kann man ganz schnell einen interessanten Blick auf Parteien in Deutschland werfen und sie mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Grob gesagt könnte man das folgendermaßen aufteilen:

  1. Test und Vorgehen erklären und Erwartungen sammeln: Wo ordnet ihr euch selbst ein? Was könnte man über euch herausfinden? Welche Seiten haben überhaupt mit Politik zu tun? etc.
  2. Test durchführen lassen (z.B. auf Smartphone, hier der Kurzlink zum Artikel: sz.de/1.3474022)
  3. Eigene Ergebnisse kurz reflektieren
  4. Mit Freunden vergleichen und diskutieren (wird wahrscheinlich eh sofort passieren)
  5. Im Plenum diskutieren und analysieren

Gerade die letzte Phase ist wichtig. Vielleicht gibt es Schüler, die sich wundern, dass sie in eine bestimmte Ecke gestellt werden, die ihnen nicht gefällt oder mit der sie sich nicht identifiziert hätten. Man muss immer wieder betonen, dass es hier nur um Wahrscheinlichkeitsrechnung geht.

So etwas kann man einfach zwischendurch im Unterricht machen (Methodenkompetenz!), aber auch in einen Kontext betten. Themenfelder könnten sein: Medien in der Demokratie, die Rolle des Internet, Fake News, Mitbestimmung/Beteiligung durch Internet, Grundrechte wie Meinungsfreiheit (und deren Einschränkung oder Manipulation) etc. Auch im Englischunterricht lässt sich das natürlich durchführen, indem die Diskussion einfach auf Englisch geführt wird und im Rahmen von media literacy oder auch dem großen Themenbereich young people stattfindet.

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