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Zur Bundestagswahl 2017

In knapp einem Monat, am 24. September, findet die Bundestagswahl statt. Natürlich wird das im Unterricht gleich nach den Sommerferien ein Thema sein. Aber auch außerhalb der Schule gelten die gleichen Fragen: Wer steht zur Wahl? Wie funktioniert die überhaupt? Und wen soll ich wählen? In dem Zusammenhang möchte ich allgemeine Hinweise teilen, aber auch drei neue Apps/Webseiten vorstellen.

In früheren Beiträgen habe ich hin und wieder etwas zu Wahlen und Parteien geschrieben, was auch jetzt für die Bundestagswahl relevant ist. Hier die entsprechenden Links:

Ein paar allgemeine Hinweise gilt es als Lehrer zu beachten:

  • Unparteiisch sein. Ich muss ein breites Spektrum abdecken und darf auf keinen Fall eine Wahlempfehlung geben. Aber: Ich darf meine persönliche Präferenz nennen, wenn ich darauf hinweise, dass das meine eigene Meinung ist. Auch Lehrer sind Bürger mit dem Recht auf Meinungsäußerung. Trotzdem würde ich das nicht machen, da die Gefahr der Beeinflussung zu hoch ist.
  • Zur Diskussion ermutigen. Die Schüler sollen nach Möglichkeit die Themen offen diskutieren können. Dazu muss ich den entsprechenden Raum bieten. Erfahrungsgemäß sind sich die Schüler zwar oft in den meisten Fällen einig. Aber hier kann man als Lehrer auch provokativ nachhaken.
  • Toleranz und Meinungsfreiheit gewährleisten. Jeder soll die Möglichkeit haben, seine Meinung zu äußern, ohne Angst vor den anderen zu haben. Niemand darf für seine Meinung verurteilt werden, sondern Differenzen sollen zur sachgerechten, argumentbasierten Diskussion genutzt werden.
  • Auf Argumente und Sachlichkeit achten. Gern wird ja auf Parteien und Politikern rumgehackt. „Die Merkel muss weg“, „Die AfD ist scheiße“ etc. sind typische Äußerungen, die höchstens für den Stammtisch taugen. Es kommt aber auf ordentliche Argumente an, wenn man sich politisch äußern will. Kritik muss konstruktiv sein, sonst ist sie nutzlos.
  • Hintergründe und Funktionsweisen von Apps/Auswertern klären. Gerade bei den beliebten Wahlentscheider-Apps ist es wichtig, dass man immer wieder darauf hinweist, dass die Auswertung reine Statistik ist. Auch die Auswahl der Thesen/Themen ist enorm wichtig. Wenn von den 30 Themen nur 2 für mich relevant und wahlentscheidend sind, dann nutzt mir die Auswertung nichts, da auch die 28 anderen Themen berücksichtigt wurden. So kann die prozentuale Übereinstimmung ziemlich von meiner persönlichen Überzeugung abweichen.

Auf dieser Grundlage gilt es, Politik – insbesondere beim Thema Wahlen – im Unterricht zu vermitteln. Eine weitere Voraussetzung für die Beschäftigung mit den Parteien zur Bundestagswahl ist die Kenntnis des Wahlsystems. In den Lehrplänen für die meisten beruflichen Schularten ist dies sowieso enthalten, entsprechend also auch in den Schulbüchern. Wenn gerade Wahlen stattfinden, bietet es sich an, das Thema vorzuziehen. In Klassenstufen, wo es nicht explizit im Lehrplan steht, kann man es trotzdem aufgreifen und wenigstens kurz erklären, wie die Bundestagswahl funktioniert. Jeder sollte zum Beispiel wissen, wofür man zwei Stimmen abgibt und wie sich daraus dann der Bundestag zusammensetzt.

 

Die „Klassiker“

Der Wahl-O-Mat

Natürlich kennt man mittlerweile den bewährten Wahl-O-Mat. Laut Webseite wird er am 30. August freigeschaltet. Zum Umgang gibt es schon viele Hinweise, auch die Bundeszentrale für politische Bildung selbst hat dazu einiges vorbereitet, was man im Unterricht umsetzen kann. Praktisch ist die Verwendung der App, welche die Schüler als Hausaufgabe auf dem Smartphone installieren, dann kann jeder im Unterricht sein eigenes Ergebnis auswerten. Wichtig ist für Schüler (aber auch generell) immer wieder der Hinweis, dass bei allen Berechnungen dieser Art keine genauen Vorschläge erwartet werden können. Noch ein Tipp für Lehrer: den Test selbst ausführen, dann am Beamer Hinweise zum Ergebnis geben und die Funktionsweise der Auswertung demonstrieren. Da man nur acht Parteien vergleichen kann, aber weitaus mehr zur Wahl stehen, sollte man immer wieder zurückkehren zur Parteienauswahl und auch die unbekannteren Parteien vergleichen.

Wahlplakate

Beliebt ist das Auswerten von Wahlplakaten, was ich auch immer gerne mache. Neben den politischen Inhalten (sofern vorhanden) kann man auch auf die Gestaltung der Plakate eingehen. Welche Motive werden verwendet? Welche Farben findet man? Wie ist die visuelle Wirkung auf den Betrachter? Was bleibt in Erinnerung? Solche und weitere Fragen kann man zum Beispiel mit einer Checkliste auswerten.

Programme auswerten

Aufwändiger, aber inhaltlich ergiebiger, ist die Auswertung der tatsächlichen Wahlprogramme. Natürlich muss man nicht die vielen hundert Seiten durchlesen, von denen man wahrscheinlich eh kaum etwas versteht. Aber jede Partei wirbt mit Inhalten. Diese kann man in Zusammenfassungen finden, aber auch in Nachrichtenbeiträgen. Lokale Zeitungen, aber auch die großen Tageszeitungen bieten entsprechende Rubriken an, die man im Unterricht als Übersicht nutzen kann. So könnte man verschiedene Themenbereiche in Gruppen aufteilen, sodass zum Beispiel eine Gruppe „Wirtschaftspolitik“ die Wahlprogramme dazu vergleicht. Natürlich muss man vorher ein paar Parteien auswählen und problematisieren, dass dadurch schon das Angebot eingeschränkt ist.

Angebote der Medien nutzen

Im Wahljahr, besonders kurz vor der Wahl, richten die größten Publikationen Themenseiten ein. Ansprechend vom Layout und gut strukturiert ist die Seite der Süddeutschen Zeitung mit aktuellen Nachrichten, Faktencheck, aktuellen Umfrageergebnissen, Wahlguide mit Kandidaten- und Programmvergleich und vielem mehr. Auch gut gemacht ist das Angebot von Spiegel Online. Highlights sind hier die Kommentare und Einordnungen sowie die Rubrik „Daten und Grafiken“.

 

Neue Apps und Angebote

Gerade für Jugendliche interessant ist die Nutzung von Smartphone-Apps. Neben Wahl-O-Mat und anderen Apps der Bundeszentrale gibt es auch weitere Angebote, die einem bei der Wahlentscheidung helfen wollen. Im Folgenden möchte ich drei davon vorstellen, die auch Schüler nutzen können. Besonders der Vergleich der verschiedenen Ergebnisse kann hilfreich sein. Das kann man zum Beispiel auch im Unterricht machen, indem man verschiedene Gruppen jeweils ein Instrument nutzen und auswerten lässt.

Dein Wa(h)l

Innovativ ist das Konzept bei deinwal.de, denn hier werden nicht die Wahlprogramme verglichen, sondern vergangene Abstimmungen. Es geht also nicht um Versprechungen der Parteien, sondern darum, was sie tatsächlich im Bundestag gemacht haben. Der große Vorteil ist die Ehrlichkeit: Jede Partei kann das Blaue vom Himmel versprechen, aber hier zählen die knallharten Fakten. Allerdings gibt es zwei gravierende Nachteile: Es sind nur die bisherigen Bundestagsparteien vertreten, also fehlt die Bandbreite. Außerdem ist das Ergebnis im Endeffekt doch verfälscht, da ja nicht die Ideen der Parteien verglichen werden, sondern das Abstimmungsverhalten, das gerade bei den Regierungsparteien auch von Sachzwängen bestimmt wird und nicht die Grundhaltung der Partei wiedergibt. Gerade bei einer Großen Koalition sind die Partner oft gezwungen, Dingen zähneknirschend zuzustimmen, die sie eigentlich nicht wollen. Einerseits sind diese Kompromisse nunmal ein Teil der parlamentarischen Demokratie. Andererseits sind sie für die Wahlentscheidung aber nur bedingt hilfreich, da sie nicht helfen, die eigentlichen Programme zu vergleichen. Offensichtlich stimmte ich in dieser Legislaturperiode häufiger mit der Opposition überein als mit der „GroKo“, wie man an meinem Ergebnis sehen kann.

DeinWal.de
Da nur vier Parteien im Bundestag waren, ist das Ergebnis nicht ganz so breit gefächert.

 

WahlSwiperWahlSwiper

Um das Ganze für die Generation Smartphone einfacher zu gestalten, gibt es den WahlSwiper (kostenlos für Android und iOS). Die Funktionsweise ist die gleiche wie bei der Dating-App Tinder: auf dem Bildschirm steht eine Aussage und mit einem Wisch nach links bzw. rechts kann man der Aussage widersprechen bzw. zustimmen. Auch das Überspringen ist möglich, falls man unentschlossen ist. Vorteile gegenüber Wahl-O-Mat: Um bei der Entscheidung zu helfen, gibt es bei jeder These auch ein Video, das entsprechende Hintergrundinformationen liefert. Außerdem kann man bei der Auswertung am Schluss beliebig viele Parteien auswählen, sodass man gleich einen kompletten Überblick bekommt.

 

Sozial-O-Mat

Sozial-O-MatEin weiteres Online-Angebot mit dem Fokus Soziales bietet die Diakonie Deutschland. Der Sozial-O-Mat funktioniert ebenso wie das Vorbild der Bundeszentrale, aber hier beschränken sich die Themen auf soziale Fragen. Diese sind eingeteilt in die vier Themenfelder „Familie und Kinder“, „Flucht“, „Pflege im Alter“ und „Armut“. Zu jedem Thema gibt es mehrere Thesen und jeweils ein Fallbeispiel betroffener Menschen mit weiteren Hintergründen. Gerade bei diesem Angebot ist natürlich der Hinweis auf das eingeschränkte Profil notwendig, da alle anderen Themen ignoriert werden. Trotzdem lohnt sich auch dieses Angebot, denn die Diakonie hat sich Fragen herausgesucht, die wahrscheinlich viele Menschen bewegen und die wahlentscheidend sein können.

 

 

Fazit

Heute gibt es viele Angebote im Internet, die sowohl für Hintergrundinformationen als auch für Wahlentscheidungen hilfreich sein können. Wichtig ist, dass man auf die Funktionsweise dieser Hilfsmittel achtet. Sie sollen Anregungen bieten und auch zur Diskussion ermuntern, aber nehmen dem Wähler natürlich nicht die Entscheidung ab. Interessant ist auch ein Vergleich der verschiedenen Ergebnisse. Wie man an meinen Beispielen sehen kann reicht das Spektrum von linker Opposition über Liberale bis AfD, je nachdem welches Angebot man nutzt. Es kommt also immer auf die eigenen Themenschwerpunkte an. Hohe Prozentwerte haben nur bedingte Aussagekraft. Das ist besonders für den Unterricht interessant, da man auf diese Weise Reibung erzeugen kann. Als Schüler wäre ich sehr verwundert über das Ergebnis des WahlSwiper und würde damit hadern. Gerade hier ist der Ansatzpunkt für Diskussionen in Gruppen oder im Plenum.

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