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Meine Top 5 Kinofilme 2017

Das Jahr 2017 war für mich hinsichtlich Kino ein sehr erfolgreiches Jahr: Mit 19 Kinobesuchen ist das ein neuer Rekord seit 2007 (ebenfalls 19 Mal). Da Rankings und Listen ja so angesagt sind, wollte ich entsprechend meine Top 5 Kinofilme vorstellen. Dabei gilt, dass nur Filme zählen, die ich auch im Kino gesehen habe. Bestimmt hätte mir der ein oder andere Film auch sehr gefallen, den ich verpasst habe. Außerdem schaue ich Filme, die mir wichtig sind, nach Möglichkeit im englischen Original an. Die deutsche Synchronfassung verliert manchmal den ursprünglichen Charme und Wortwitz, worunter ein Film leiden kann.

Bevor es aber losgeht, hier noch ein paar Filme, die es zwar nicht in die Top 5 geschafft haben, die aber trotzdem in der ein oder anderen Hinsicht interessant waren.

  • Star Wars VII: The Last Jedi: tolle Einzelmomente, aber leider auch sehr viele narrative Probleme, die dermaßen nervig sind, dass sie einen total aus dem Film reißen.
  • Guardians of the Galaxy Vol. 2: großer Spaß, aber mit vielen Längen und gewöhnungsbedürftigem Plot. Unterhaltsamer ist das Retro-Musikvideo zum Soundtrack mit David Hasselhoff und dem Cast des Films! 🤣
  • War for the Planet of the Apes: imposantes Finale der Trilogie, mit unfassbarer Motion-Capture-Arbeit des Genies Andy Serkis, aber ebenfalls … „ernüchterndem“ Plot.

 

Platz 5: Wonder Woman

Wonder Woman

Wer hätte gedacht, dass DC es schaffen würde, nach dem totalen Flop Suicide Squad doch noch einen Hit zu landen? Mit Wonder Woman ist das auf jeden Fall gelungen! Vor allem in den USA hat der Film aber auch eine Debatte über Feminismus und die Rolle der Frau in Filmen ausgelöst. Das Grundproblem ist die widersprüchliche Darstellung einer schönen Frau (=Objekt der männlichen Begierde), die gleichzeitig eine amazonenhafte, starke Superheldin (=selbstbestimmtes Subjekt) ist. Diese Diskussion ist aber völlig unsinnig, denn im Kern geht es dem Feminismus um die Gleichberechtigung der Geschlechter, und da gesellt sich eben nun auch eine Frau zu all den übermenschlichen männlichen Superhelden. Und wenn sich Frauen beschweren, dass Ideale dargestellt werden, die sie nicht erfüllen können, sollen sie mal kurz darüber nachdenken, wie es wohl uns Männern beim Anblick idealisierter Männer geht, die seit Anbeginn der Kunst auf uns einprasseln. Aber hat das jemals eine „Maskulinismus-Debatte“ ausgelöst?

Nun gut, noch kurz zur schlechten Synchronisierung, weshalb ich den Film auf Englisch anschaute: Wie so oft sprechen die Figuren dermaßen akzentuiert und körperfremd, als hätten sie gerade Schauspiel- und Sprachtraining. Vor allem der Verlust von Gal Gadots Akzent, der ja bewusst im Film genutzt wurde, ist traurig und zerstört ein Stück von ihrer Figur.

👍

  • charismatische Darsteller, allen voran Gal Gadot (Diana/Wonder Woman), die gut mit Chris Pine (Steve Trevor) harmoniert
  • interessante Hintergrundgeschichte in der griechischen Mythologie
  • tolles musikalisches Thema, dessen Wirkung sehr gut hier und hier näher erklärt wird
  • passende Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor, vor allem dank Gadot und Pine
  • Dianas großartige Charakterentwicklung vom naiven, unwissenden Mädchen zur gegenwärtigen Heldin (zugegeben, sie hatte ja auch Jahrhunderte Zeit)

👎

  • Kriegsgott Ares (bei den Römern bekannt als Mars) als Urheber des Ersten Weltkrieges? Keine menschliche Verantwortung, ernsthaft? Ein Glück, dass sie nicht den Zweiten Weltkrieg genommen und Hitler von jeder Schuld freigesprochen haben, das wäre sicher nicht so gut angekommen!
  • flaches, banales Finale

Trotz der Schwächen und der unseligen Feminismus-Debatte ist das tolles Popcorn-Kino, das gute Laune macht. Auch in Justice League hat Wonder Woman Spaß gemacht.

 

Platz 4: Logan

LoganEin letztes Mal spielte Hugh Jackman seine ikonische Rolle als Wolverine alias Logan – und was für ein Finale das war! Der Film funktioniert vor allem dank des R-Ratings (in den USA nur für Zuschauer ab 17 Jahren), was interessanterweise die FSK in Deutschland nicht „ab 18“, sondern „ab 16“ eingestuft hat. Ein weiterer Unterschied in Deutschland ist die merkwürdige Ergänzung des Titels, denn bei uns heißt der Film offiziell Logan – The Wolverine (damit man weiß, wer er ist?).

Im Gegensatz zum ebenfalls mit R-Rating versehenen und gefeierten Deadpool ist Logan aber so, wie es das Filmposter vermuten lässt: grimmig, düster, Endzeitstimmung. Man merkt auch gar nicht, dass man einen Superhelden-Film schaut, so menschlich und dramatisch funktioniert er. Seit der Veröffentlichung ist sogar oft von Oscars die Rede, darunter die beiden Darsteller Hugh Jackman und Patrick Stewart (Professor X).

👍

  • ein ambitionierter Multigenre-Film: Western, Drama, Action, Comic-Verfilmung, Roadmovie …
  • Die X-Men-Darsteller haben endlich nach 17 Jahren auch mal die Chance, mehr auf der emotionalen und Beziehungsebene zu arbeiten.
  • brutale, nicht ohne Konsequenzen bleibende Action
  • keine verwirrende X-Men-Chronologie oder Einbettung ins Franchise – zum Glück ein Standalone-Film

👎

  • Die „Mutanten-Kinder“ sind schwach umgesetzt und überzeugen nicht.
  • Das Finale verliert dadurch an Glaubhaftigkeit und Dramatik und ist ärgerlich.

 

Platz 3: Dunkirk

DunkirkAls ich den ersten Teaser-Trailer für Dunkirk gesehen hatte, wusste ich, dass das ein visuelles und akustisches Glanzstück werden würde. Christopher Nolan hat ja bisher immer zumindest auf diesen Fronten überzeugt, auch wenn Filme wie Interstellar gerade im 3. Akt handlungstechnisch sehr zu Wünschen übrig ließen.

Der Teaser besteht nur aus einer Szene, als aus der Ferne Flugzeuge zu hören sind und erst ein Soldat sich langsam gen Himmel dreht, bis langsam weitere folgen – gigantisch. Denn die Kamera erliegt nicht der Versuchung, der Neugierde nachzugeben und ebenfalls in den Himmel zu drehen, sondern sie bleibt beharrlich auf die Soldaten gerichtet, die zunehmend panischer reagieren, je lauter die Flugzeuge zu hören sind. Das ist simpel, aber gerade deshalb großes, effektvolles Kino!

Hier liefert auch der Film genau das ab, was er verspricht – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Es gibt keine schnulzigen, hineingezwungenen Liebesgeschichten oder großartige Heldenepen und Geschichtsverklärungen. Dunkirk ist eine kommentar- und erbarmungslose Darstellung des Krieges, die man in dieser Konsequenz zuletzt vielleicht in Das Boot gesehen hat.

👍

  • überwältigender Sound – oscarreifer Ton!
  • gigantische Aufnahmen, vor allem in der Luft
  • vermittelt das Gefühl, wirklich dabei zu sein
  • nüchterne, realitätsnahe Darstellung, kein triefender Pathos wie beim völlig überbewerteten Soldat James Ryan
  • Fokus auf Handlung und Situation statt auf Charakteren

👎

  • flache bzw. fehlende Charakterzeichnung
  • deshalb kaum (tiefe) emotionale Bindung zu den beliebig wirkenden Figuren
  • aus der Kategorie „verwöhntes Jammern“: Umsetzung einer größeren WW2-Episode durch Nolan wäre interessanter gewesen

 

Platz 2: Thor: Ragnarok

Thor RagnarokDieser Film war für mich – wie für viele Kommentatoren und Rezensenten – eine echte Überraschung. Die ersten beiden Thor-Filme hatten mich überhaupt nicht überzeugen können. Der erste Film hatte mit den mythologischen Ursprüngen der Comic-Figur zwar noch interessante Aspekte, aber die Fortsetzung war einfach nur langweilig. Doch der erste Teaser-Trailer, unterlegt mit Led Zeppelins „Immigrant Song“, hatte mich tatsächlich umgestimmt, sodass ich ins Kino gegangen bin – zum Glück! Diesen Film hätte ich auf der Leinwand nicht verpassen wollen.

Leider gibt sogar der Teaser schon viel von der Handlung preis, aber er zeigt auch, worauf man sich einlässt: Action, Humor, ungewöhnliche Handlung und ein optisches Spektakel (Die Zeitlupe mit den Walküren! Wie Loki die Messer hochwirft! Die charismatische Hela!). Allein schon die Retro-Schrift im 80er-Stil, die im Trailer und auf dem Poster zu sehen ist, gibt den Ton an: Das hier ist Spaß und Unterhaltung für Erwachsene und kein Disney-Marvel-Kinderkram.

Marvels Entscheidung, dem jungen Indie-Regisseur Taika Waititi völlig freie Hand zu lassen, war ein Risiko, das sich als Segen entpuppte. Denn der ließ Chris Hemsworth und Co. nach eigener Aussage 80% improvisieren, was vielleicht übertrieben sein mag, aber viel dazu beiträgt, dass der Humor im Film funktioniert. Hemsworth hat ein Talent und ein Timing dafür, was man schon in den kurzen Comedy-Clips sehen konnte, die zeigen sollen, was Thor macht während die anderen Avengers ihre Abenteuer erleben (unbedingt mal ansehen!). Das Ergebnis ist ein Film, der völlig aus der Reihe tanzt und gerade deshalb überzeugt.

Kurios ist übrigens wieder die deutsche Übersetzung. Aus Thor: Ragnarok wurde Thor: Tag der Entscheidung. Weshalb hat man den mythologischen Fachbegriff Ragnarok ersetzt? Es ist doch auch im Englischen ein Fremdwort, das man hätte beibehalten können. Außerdem sieht der Schriftzug „Ragnarok“ viel cooler aus als die drei Worte „Tag der Entscheidung“. Die miserable Synchronstimme für Chris Hemsworth sowie der damit verbundene Humorverlust sind aber der Hauptgrund, weshalb ich diesen Film lieber auf Englisch gesehen habe.

👍

  • riesiges Vergnügen von Anfang bis Ende
  • Relativierung von einfachem Gut/Böse-Schema und Hinterfragung von Handlungen und deren Konsequenzen
  • toller Soundtrack (der „Immigrant Song“ kommt auch im Film zweimal an prominenter Stelle vor)
  • visuell sehr (!) bunt, besonders im Vergleich zu den üblichen überkontrastreichen, monochromen Farbfiltern moderner Filme
  • Hemsworth überzeugt nach vier Filmen erstmals als Thor.
  • Publikumsliebling Loki spielt eine größere und interessantere Rolle.
  • Hulk ist hier besser umgesetzt als in jedem Hulk-Film zuvor!
  • genialer Cast, vor allem Jeff Goldblum in einer selbstironischen Rolle als kauziger „Grandmaster“
  • Cate Blanchett hat sichtlich Spaß als mächtige Schurkin Hela.

👎

  • Comedy nimmt manchmal überhand, was vor allem in eigentlich tragischen Szenen stört.

 

Platz 1: Blade Runner 2049

Blade Runner 2049Wo soll man hier nur anfangen? Bereits Ridley Scotts Originalfilm Blade Runner von 1982 kam nicht sofort gut an und floppte zunächst. Nach mehreren Recuts und verschiedenen Versionen war mit dem Final Cut von 2007 eine Endfassung vorhanden, die vor allem optisch Maßstäbe setzte. Blade Runner ist einer der Filme, von denen man weiß, dass sie als bahnbrechend und wegweisend in die Filmgeschichte eingegangen sind. Doch wie die meisten Filmfans war ich skeptisch angesichts dieser späten Fortsetzung eines absoluten Klassikers. Besonders wegen Harrison Ford machte ich mir Gedanken, da schon der späte, vierte Teil der Indiana Jones-Reihe ein reines Martyrium war. Und auch Star Wars VII: The Force Awakens war ja nicht sehr positiv, wenn man Han Solo betrachtet … Wie würde es also mit Blade Runner laufen?

Entwarnung gab es für mich, als ich hörte, dass der Kanadier Denis Villeneuve Regie führen würde. Als ich dessen Arrival gesehen hatte, war ich dermaßen von der Bildgewalt fasziniert, wie ich es zuvor nur von Stanley Kubricks 2001 kannte. Für mich stand daher sofort fest, dass Blade Runner 2049 zumindest optisch und von den Charakteren her funktionieren könnte.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn Blade Runner 2049 ist eine Fortsetzung, die diesen Titel wahrlich verdient. Mit alten Fragen wird weiter gespielt, neue Fragen kommen hinzu, grundlegende philosophische Themen werden angesprochen und kommentiert – oder eben auch nicht. Was macht den Menschen zum Mensch? Kann man Gefühle programmieren? Können Maschinen Emotionen empfinden? Wann ist Leben eigentlich Leben? Geschickt wird auch damit gespielt, ob Liebesbeziehungen zu Maschinen bzw. zu Programmen funktionieren. Hier hat der Film ganz klare Parallelen zum grandiosen Her, in dem sich ein naiver Joaquin Phoenix vor allem aufgrund der Stimme (im Original Scarlett Johansson) in ein Betriebssystem verliebt.

Blade Runner 2049 nimmt sich Zeit, was oft auf Kritik stieß, aber überzeugt gerade durch die geschickte, tiefgreifende Erzählkunst. Ryan Gosling (Officer K) ist für mich dabei die Entdeckung schlechthin. Schon in The Nice Guys fand ich ihn toll, aber hier liefert er eine grandiose Performance ab.

👍

  • bildgewaltiges, visuelles Meisterwerk – der Oscar für Kameramann Roger Deakins, der schon 13-mal (!) nominiert war, aber nie gewann, muss endlich her! Jeder Frame, jedes Bild ist ein Gemälde!
  • Der Soundtrack von Benjamin Wallfisch und Veteran Hans Zimmer passt perfekt und erinnert an den Blade Runner-Soundtrack von Vangelis.
  • Ryan Gosling gibt alles: vom emotionslosen Replikant am Anfang über die Zerrissenheit des Selbstzweiflers bis zum katharsischen Ende.
  • Harrison Ford (Rick Deckard) wird nicht als Retro-Erinnerung vergeudet, sondern taucht erst spät auf und führt seine Rolle sinnvoll und logisch fort.
  • generell der Cast: Ana de Armas als Hologramm/Freundin (Joi), Dave Bautista als Rentner-Replikant (Sapper Morton), Robin Wright als Ks Vorgesetzte (Lieutenant Joshi) … jeder gibt sein Bestes.
  • keine eindeutigen Fragen/Antworten (und dadurch keine Relativierung) in Bezug auf den ersten Blade Runner
  • sinnvolle Fortführung und Erweiterung der Handlung und des ganzen Blade Runner-Universums
  • funktionale Balance zwischen Hommage und Modernisierung
  • Twists mit Überraschungseffekt

👎

  • Jared Letos Rolle (Niander Wallace) wirkte fehl am Platz. In einem Fanedit wird das hoffentlich behoben und seine Rolle komplett geschnitten.
  • Damit würde auch die Laufzeit etwas kürzer, der Film verliert zwischendurch an Fahrt.

Die Entscheidung für Blade Runner 2049 an erster Stelle fiel sofort, bei den anderen Filmen ist ein Ranking etwas schwieriger. Ich bin mit dem Ergebnis aber ziemlich zufrieden. Mal sehen, was 2018 bringen wird. 🎬

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