Allgemein, Technik

„microG“: Android ohne Google! (Update)

Mit meinem ehemaligen Smartphone (Sony Xperia Z1 Compact) hatte ich bereits im Beitrag „Alle Macht dem User: Android ohne Google!“ beschrieben, wie man auf Google-Apps verzichten kann, um Datenschutz und vor allem Akkulaufzeit zu verbessern. Mittlerweile ist es sogar noch einfacher geworden, auf Googles Systemvorgaben zu verzichten, da findige Entwickler verbesserte Alternativen veröffentlicht haben.

Alles in einem: das „microG Project“

Die Idee hinter microG ist die Unterstützung des Open Source-Gedankens. Denn auch wenn Android grundsätzlich ein quelloffenes System ist, so ist es im Alltag fast unmöglich, komplett auf Unterstützung von Google zu verzichten, wenn man nicht auch an Komfort verlieren möchte. Ein einfaches Beispiel ist Google Maps: Manche Apps greifen auf Googles Kartendienst zu, um einen Standort anzuzeigen. Einige Apps benötigen auch sogenannte Play Services, die im Hintergrund laufen, um stabil zu funktionieren.

Das widerspricht natürlich der Idee eines unabhängigen Systems – und vor allem benötigen Hintergrundprozesse auch Ressourcen. Die kleinste Variante der Google Apps beim Open GApps Project heißt „pico“ und beinhaltet nur die allernötigsten Google-Dienste. Das Android 5.0-Paket, das ich bräuchte, ist trotzdem stolze 112,34 MB groß. Zum Vergleich: die kompletten microG-Pakete, die den gleichen Funktionsumfang besitzen, sind lediglich 4 MB groß!

Installation

Grundsätzlich kann man direkt im Wiki der Entwickler nachlesen. Im Folgenden beschreibe ich, wie es bei meinem Samsung Galaxy Alpha mit Android 5.0.2 funktioniert hat. Grundsätzlich ist die Vorgehensweise aber immer gleich, lediglich der erste Schritt kann abweichen.

Schritt 1: Voraussetzungen erfüllen

Signature Spoofing

Xposed
Unter „Versionen“ die aktuellste Option installieren (momentan 2.0).

Bevor die microG-Pakete installiert werden können, benötigt man die Unterstützung für signature spoofing, damit microG funktionieren kann. Das geht in meinem Beispiel mit einem entsprechenden Xposed-Modul. Das Xposed-Framework ist dafür da, eine Art Skripte („Module“ genannt) auszuführen, also Programme, die nicht direkt ins System eingreifen und auch keine anderen Apps berühren. Es sind eher Erweiterungen des Systemumfangs. Wenn Xposed vorhanden ist, dann sucht man unter „Download“ das Modul „FakeGApps“ und installiert dieses. Wichtig: Module müssen aktiviert und das Handy neugestartet werden, damit es funktioniert.

Entwickleroptionen

Außerdem müssen in den Android-Einstellungen die Entwickleroptionen aktiviert werden. Dort gibt es dann einen Punkt namens „Pseudostandorte zulassen“. Hier muss das entsprechende Häkchen gesetzt werden.

Schritt 2: Das microG-Repository zu F-Droid hinzufügen

Wie bereits erwähnt, nutze ich F-Droid als primären App-Store. Wer es noch nicht hat, kann die APK auf f-droid.org herunterladen und installieren. Auf der Webseite des microG-Projektes findet man die Adresse des Repositories. Diese kann man in F-Droid hinzufügen, um so die benötigten Programmteile direkt unter F-Droid herunterzuladen. Dazu öffnet man F-Droid, geht in die Optionen und oben auf „Paketquellen“. Dort tippt man oben auf das „+“ und kann nun die entsprechenden Daten eingeben.

Schritt 3: Benötigte Apps installieren

FdroidNach dem Aktualisieren der Paketquellen kann man nun in F-Droid nach den microG-Paketen suchen. Dazu reicht es beispielsweise, wenn man einfach „microg“ als Suchbegriff eintippt. Als Ergebnis werden alle Apps aufgelistet, die mit dem microG-Projekt zu tun haben. Wir brauchen drei Apps, um microG zu installieren, sowie Hilfsprogramme für die Lokalisierung, sogenannte location service backends.

Alle Apps, die rechts im Screenshot über keinen Download-Pfeil verfügen, sind bei mir installiert und für die Funktion notwendig. Die „micro G Services …“ genannten Apps sind die Basis und beinhalten auch die microG-Einstellungen, die man später noch benötigt. Die Apps, die „Backend“ im Titel tragen, sind die Lokalisierungsdienste. Der Standort kann durch verschiedene Methoden ermittelt werden. Neben GPS, was natürlich am genausten ist und keine weiteren Hilfsmittel benötigt, benutzt ein Smartphone auch andere Mittel, um schneller eine grobe Einschätzung des Standorts zu ermitteln, während das GPS-Signal noch gesucht wird (oder deaktiviert ist). Einerseits ist das die Position der empfangbaren Mobilfunkmasten, die zweite Methode ist die Ortung von bekannten WLAN-Netzwerken, in deren Empfangsbereich man sich befindet.

Schritt 4: Backends aktivieren

Diese Lokalisierungsdienste müssen in den microG-Einstellungen noch aktiviert werden. Dazu öffnet man die entsprechende „microG Einstellungen“-App und geht auf „UnifiedNlp Einstellungen“. Im folgenden Menü gibt es zwei Optionen. Bei den „Ortungsdiensten“ sollten „Mozilla Location Service“ und „Apple Wi-Fi“ zur Verfügung stehen und die Häkchen müssen aktiviert werden. Unter „Adressauflösungsdienste“ müsste ein Eintrag namens „Nominatim“ vorhanden sein, diesen ebenfalls aktivieren.

Schritt 5: microG-Funktionen überprüfen

In den microG-Einstellungen gibt es auch eine Selbstprüfung. Hier kann man kontrollieren, ob alles ordnungsgemäß funktioniert. Sollte eines der Häkchen nicht aktiviert sein, so fehlt eventuell eine App oder eine benötigte Funktion. Das Ergebnis sollte am Ende wie im Screenshot aussehen.

Selbstprüfung

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3 Gedanken zu „„microG“: Android ohne Google! (Update)“

    1. Das habe ich im verlinkten Beitrag beschrieben, siehe Punkt 2: „Custom-ROM installieren und einstellen“. Ich hatte damals CyanogenMod 11 installiert, den Vorgänger von LineageOS. Laut Homepage wird Lineage nicht offiziell unterstützt, aber vielleicht gibt es ja eine inoffizielle Variante.
      Theoretisch geht das auch mit einer Stock-ROM, aber dann müsste man vorher sämtliche Google-Funktionen deaktivieren, siehe Wiki von microG: https://github.com/microg/android_packages_apps_GmsCore/wiki/Prerequisites

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