Computer, Technik

Raspberry Pi als Überwachungskamera

Mit den Sommerferien hat auch die Urlaubssaison begonnen. Die Katze zu Hause wird zwar versorgt, doch trotzdem will ich auch einen Blick in die Wohnung werfen können. Mittlerweile geht das dank IP-Kameras, die ins Netzwerk eingebunden werden, ganz gut. Doch wieso Geld ausgeben, wenn man das Zubehör schon zu Hause hat? Im Folgenden zeige ich, wie man ganz einfach eine Netzwerk-Kamera selbst einrichten kann.

Benötigt werden dazu lediglich drei Dinge: ein Raspberry Pi, eine Kamera sowie ein Stromanschluss. Ich habe noch einen Raspberry Pi Zero W hier, der sich wegen der kleinen Größe und des geringen Stromverbrauchs anbietet. Eine alte USB-Webcam habe ich auch noch übrig, die als Kamera dient. Für den Stromanschluss reicht jedes gängige USB-Ladegerät, von denen man meist mehrere besitzt. Los geht’s!

Schritt 1: Aufbau

Webcam + Pi Zero
Pi Zero W mit Logitech-Webcam und Powerbank als Stromquelle.

Dieser Schritt ist sehr simpel: einfach die USB-Webcam anschließen. Da ich den Pi Zero verwende, benötigte ich dafür noch einen USB-Adapter. Den hatte ich aber noch hier. (Nicht über den malträtierten Pinheader wundern, da war zuvor etwas anderes aufgelötet, das ich kurzerhand abgetrennt hatte.)

Schritt 2: Software installieren

Statt des regulären Betriebssystems Raspbian habe ich mich für ein spezielles, abgespecktes System entschieden, das nur die benötigte Kamera-Software beinhaltet, nämlich motionEyeOS. Das Image ist sehr klein und daher schnell auf der SD-Karte installiert. Auf der GitHub-Seite findet man ein entsprechendes Image für den Pi Zero W. Das Image wird mit einem passenden Programm auf die MicroSD-Karte gebrannt, ich verwende dafür den Win32DiskImager. Bevor man aber die Software verwenden kann, muss man noch eine Konfigurationsdatei mit den WLAN-Zugangsdaten erstellen, denn der Pi Zero verfügt nicht über einen Kabelanschluss. Eine Anleitung dazu findet man ebenfalls auf der GitHub-Seite.

Schritt 3: Einrichtung

Mit eingelegter SD-Karte fährt der Pi hoch und stellt alles automatisch ein. Nun kann man vom PC aus über den Browser auf die Kamera-Software zugreifen. Dazu benötigt man nur die lokale IP-Adresse des Pi. In meinem Fall ist das 192.168.178.30. Wenn der Pi mit einem Monitor verbunden ist, kann man einfach nachschauen, denn die Adresse wird direkt nach dem Booten angezeigt. Alternativ kann man in die Einstellungen des Routers gehen und nach dem Gerät suchen. Hat man die IP-Adresse eingegeben, kann man sich als Nutzer „admin“ mit leerem Passwort anmelden.

motionEyeOS
Die Browser-Oberfläche von motionEyeOS.

Als erstes sollte man daher die Passwörter unter „General Settings“ anpassen. Die Zugangsdaten für „user“ braucht man später, um von außen direkt auf die Kamera zuzugreifen. Auch die Zeitzone sollte man anpassen, damit Datum und Uhrzeit korrekt angezeigt werden.

Video-Einstellungen
Einstellungen für den Livestream und Fotos.

Die restlichen Einstellungen kann man den eigenen Bedürfnissen anpassen. Ich habe das Streaming aktiviert und „Authentication Mode: Basic“ ausgewählt. Somit kann nicht einfach jeder Internetnutzer auf meinen Stream zugreifen. Unter „Still Images“ habe ich eingestellt, dass alle 600 Sekunden (also 10 Minuten) ein Foto gemacht wird, auf das ich dann zugreifen kann.

Es gibt auch noch Einstellungen für Bewegungserkennung, um z.B. nur Videos/Fotos machen zu lassen, wenn eine Bewegung erkannt wird. Diese Dinge habe ich aber deaktiviert, da mir der Livestream genügt. Außerdem liegt die Katze meist faul herum, sodass es gar keine Bewegung zu erkennen gäbe. 😸

Schritt 4: Externen Zugriff einrichten

Für den lokalen Zugang ist die Einrichtung abgeschlossen. Über die IP-Adresse des Pi kann ich nun auf die Kamera zugreifen. Das ist aber relativ witzlos, denn die Überwachungskamera nutzt mir nichts, wenn ich nur darauf zugreifen kann, wenn ich selbst zu Hause bin. Ich muss also den Zugriff „von außen“, also aus dem Internet einrichten.

dyndnss
Die Benutzeroberfläche von dyndnss.net.

Das Problem dabei ist, dass die externe IP-Adresse vom Internetprovider kommt und sich ändern kann. In der Regel gibt es, meist nachts, einen erzwungenen Reconnect, sodass sich täglich die IP-Adresse ändert und ich somit keinen Zugriff mehr hätte. Zu diesem Zweck kann man einen DynDNS-Dienst einrichten, der dem Router eine immer gleiche Domain zuordnet. Mein Provider (1&1) empfiehlt dyndnss.net, und da mein Router vom Provider stammt nutze ich der Einfachheit halber diese Empfehlung. Nach der Registrierung klicke ich unten auf „Neue DynDNS-URL anlegen“, suche mir einen Namen aus und wähle als Port „8081“, den motionEyeOS standardmäßig für die Kamera nutzt. Damit ist die DynDNS-URL eingerichtet.

Weiter geht es mit dem Router, der diese Daten nutzen soll. In meinem Fall ist das eine FritzBox. Zunächst gehe ich links im Menü unter „Internet“ auf die „Freigaben“. Hier muss ich meinem Router klarmachen, dass er den Pi über den Port 8081 nach außen kommunizieren lässt. Dazu gehe ich auf „Gerät für Freigaben hinzufügen“, wähle den Pi aus (bei mir heißt er aus einem früheren Projekt noch „PiClock“) und klicke auf „Neue Freigabe“. Als Protokoll nimmt man „TCP“ und bei beiden Feldern für den Port gibt man „8081“ ein.

Als nächstes kommt noch die Einrichtung des DNS-Dienstes. Das geht, immer noch unter „Freigaben“, mit dem Reiter „DynDNS“. Die Daten kann man der Seite des DynDNS-Anbieters entnehmen. „Benutzername“ ist der gewählte Name, das Passwort wird bei dyndnss.net automatisch erzeugt und steht unten bei den URL-Daten.

motionEye Passwort
Für den Zugriff auf den Livestream werden die Zugangsdaten abgefragt.

Jetzt sollte der Zugriff von außen möglich sein. Als Test kann man im Browser nun die DynDNS-Daten eingeben, also die eingerichtete Domain. Es sollte sich ein Fenster öffnen, das nach den Benutzerdaten fragt, die man in eyeMotionOS festgelegt hat. Nach der Eingabe sollte dann der Livestream der Webcam sichtbar sein.

Livestream

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3 Gedanken zu „Raspberry Pi als Überwachungskamera“

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