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Die Europawahl – Infos und Unterrichtsideen

Am 26. Mai ist der Termin für die Europawahl in Deutschland (und für viele Bundesländer gleichzeitig auch der Termin für die Kommunalwahlen). Im Folgenden möchte ich auf allgemeine Informationen zur Europawahl eingehen, aber auch einen Vorschlag zeigen, wie man das Thema im Schulunterricht behandeln könnte. Das Angebot richtet sich aber auch ausdrücklich an alle, die sich über die Europawahl informieren möchten, da ich viele Seiten mit allerlei Informationen verlinkt habe.

Mit Wahlen habe ich mich schon häufiger beschäftigt. Hier sind ein paar Beiträge, die auch für die Europawahl relevant sind:

In den 12. und 13. Klassen des Beruflichen Gymnasiums in Baden-Württemberg, die ich unterrichte, ist Europa mittlerweile prominenter im Bildungsplan enthalten. Die EU-Institutionen und deren Funktionsweise sind Thema in der 12. Klasse, die historische Entwicklung der EU ist Thema in 13. Ich habe also den Luxus, in diesen Klassen auf Vorkenntnissen zur EU aufbauen zu können. Andernfalls müsste man vor der Behandlung der Wahl noch entsprechende Hintergründe klären.

Hintergründe zur EU und zur Wahl

Der Einfachheit halber verlinke ich hier auf Angebote, die ich für sehr hilfreich halte, um grundlegende Informationen zur EU, deren Institutionen sowie zur Wahl zu erhalten. Diese sind für jeden geeignet, ebenso für die Verwendung im Unterricht.

Thematisierung der EU im Unterricht

Eines von vielen Schaubildern zur EU von der BpB.

Schritt 1: Konfrontation

Zu Beginn sollte auf jeden Fall eine Nähe hergestellt werden: „Inwiefern betrifft mich/uns die EU?“ Je nach Vorkenntnissen und Alter der Schüler*innen kann man bereits Ideen in einem ersten Brainstorming sammeln. Diese kann man anschließend mit dem rechts abgebildetenSchaubild der BpB vergleichen und bei Bedarf weiter vertiefen.

Schritt 2: Vertiefung

In den oben verlinkten Materialien findet man genügend Informationen für den Unterricht. Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel, die Schüler*innen in Gruppenarbeit die Institutionen der EU sowie deren Funktionsweise vorstellen zu lassen. Das kann man in Form eines Steckbriefes machen, der hinterher allen kopiert wird, oder mit einer digitalalen Präsentation (Computerraum, Laptops, iPads), für die man wiederum auf die verlinkten Grafiken zurückgreifen kann.

Schritt 3: Diskussion/Bewertung

In einer abschließenden Diskussionsrunde kann man die Schüler*innen mit Aussagen konfrontieren, die sie aufgrund ihrer Kenntnisse dann kommentieren sollen. Das können dann typische Stammtischparolen sein wie „Die EU kostet uns nur Geld und bringt uns nix.“ oder „Wir brauchen den Euro nicht, die D-Mark muss zurück.“ etc. Einen Schritt weiter kann man gehen, wenn man die Schüler*innen schon mit Wahlplakaten oder Wahlkampfslogans verschiedener Parteien konfrontiert. Das bietet sich gerade bei den Extremen von rechts (und auch links) an, da diese zum Teil die EU generell in Frage stellen und abschaffen möchten.

Die EU-Wahl im Unterricht

Vorkenntnisse erarbeiten

Sind die Hintergründe geklärt bzw. ohnehin schon vorhanden, kann man zum eigentlichen Thema übergehen. Hier gibt es verschiedene Herangehensweisen. Es kommt darauf an, was man erreichen möchte, also welche Lernziele man ungefähr verfolgt. Ich möchte zunächst, dass meine Schüler*innen über Hintergründe und entscheidende Themen zur Wahl Bescheid wissen und sie anschließend erst mit den Parteien konfrontieren, damit sie sich abschließend eine Meinung bilden können und eine erste Vorstellung bekommen, wen sie wählen könnten.

Zunächst frage ich sie, was sie für wichtig halten: „Was sollte man im Vorfeld der Wahl bereits wissen?“ Die Institutionen und deren Funktionen sollten ja bereits bekannt sein, also sollten auch andere Fragen/Ideen kommen. Im Idealfall kommen solche Fragen, die in den nachfolgenden Aufgaben enthalten sind.

Wie bereits anfangs erwähnt ist auch die Frage nach der Wichtigkeit der Wahl ein Thema, was sich an der niedrigen Wahlbeteiligung 2014 von 42% (Gesamt-EU) gezeigt hat. Ein möglicher Input für diese Sequenz wäre daher das #Kurzerklärt-Video der Tagesschau zur Europawahl:

Anschließend folgt die inhaltliche Vertiefung. Für den Überblick bietet es sich an, eine Gruppenarbeit zu verschiedenen Themengebieten durchzuführen, um diese zu erschließen. Folgende fünf Aufgaben/Gruppen habe ich dazu ausgesucht:

  1. Stellt die Ergebnisse der letzten Wahl 2014 vor (Deutschland + gesamte EU). Betont, was euch besonders auffällt oder wichtig erscheint.
  2. Findet Informationen zu den Fraktionen im EU-Parlament. Welche gibt es? Wem gehören jeweils die deutschen Parteien an?
  3. Stellt die beiden Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten vor. Erklärt auch dessen Aufgaben.
  4. Erklärt, welche Auswirkungen der „Brexit“ auf das Parlament in Zukunft hat und woher diese kommen. Fasst den aktuellen Stand zum Brexit zusammen, inkl. Meinung der Briten dazu.
  5. Stellt die Stimmungslage in den Mitgliedsländern vor. Welche Themen sind jeweils wahlentscheidend, und warum?

Das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die auch von den Vorkenntnissen der Klassen abhängen. Falls eine Gruppenarbeit nicht gewünscht ist oder nicht genügend Zeit zur Verfügung steht, so können Infos wie die letzten Wahlergebnisse oder die Vorstellung der Spitzenkandidaten auch als Input vorgegeben werden:

  • Tagesschau: Europawahl 2014 – Das letzte Wahlergebnis mit vielen Schaubildern und Auswertungen.
  • Homepage von Manfred Weber – Der deutsche Spitzenkandidat der EVP. Es lohnt sich auch immer ein Blick auf die Social-Media-Seiten der Politiker, da sich die Schüler*innen damit bestens auskennen, insbesondere Instagram.
  • Homepage von Frans Timmermans – Der niederländische Spitzenkandidat der Sozialdemokraten.

Wahlsystem und Parteien analysieren

Glücklicherweise ist das Wahlsystem für das EU-Parlament eine reine Verhältniswahl, also recht einfach zu verstehen. Die nationalen Besonderheiten anderer Länder sind eher zweitrangig. Es gibt ein sehr gutes Erklärvideo von explainity dazu, das man auch im Unterricht zeigen kann:

Natürlich treten für die Europawahl die bekannten deutschen Parteien an, das haben auch die Schüler*innen sicher schon bemerkt, zumal die Wahlplakate bereits seit einigen Wochen hängen. Falls die oben vorgestellte Gruppenarbeit durchgeführt wurde, sollten sie auch schon über die Fraktionen Bescheid wissen. Ansonsten kann man die länderübergreifenden Fraktionen bei der Vorstellung der letzten Wahlergebnisse thematisieren.

Um einen Eindruck zu bekommen, wer alles zur Wahl steht, kann man sich zum Beispiel die Liste der zugelassenen Parteien auf der Seite des Bundeswahlleiters ansehen. Den Schüler*innen sollte einerseits auffallen, dass es sehr viele Parteien zur Auswahl gibt, und dass sie andererseits die wenigsten davon kennen werden.

Eine erste Anlaufstelle, die Parteien und deren Inhalte kennenzulernen, sind Angebote wie der bekannte Wahl-O-Mat. Seit ein paar Tagen ist er für die Europawahl online: Wahl-O-Mat Europawahl. Achtung: Man kann immer nur acht Parteien auf einmal vergleichen. Um auch die Position anderer Parteien zu sehen kann man zum Beispiel Screenshots erstellen und dann die Parteien austauschen, bis man alle verglichen hat. Danach kann man die Top-Übereinstimmungen heraussuchen.

Ein ähnliches Tool ist der WahlSwiper. Dieser bietet den Vorteil, alle Parteien gleichzeitig aufzulisten: WahlSwiper Europawahl. Ein Auswechseln der Parteien ist also nicht nötig.

Je nach technischen Möglichkeiten kann man die Schüler*innen individuell, paarweise, in Gruppen oder im Plenum die Angebote ausprobieren lassen. Sicher kommen zwischendurch auch Fragen zu den Thesen, auf die man vorbereitet sein sollte. Die Schüler*innen sollen sich auch nicht überfordert fühlen; ich gebe hier direkt zu, dass ich bei manchen Thesen selbst nicht genug Hintergrundwissen besitze, um mir eine fundierte Meinung zu bilden. Daher ist es völlig legitim, „neutral“ oder „These überspringen“ zu wählen.

Anschließend müssen die Ergebnisse diskutiert werden: Haben sie die Ergebnisse erwartet? Sind sie bestätigt, verwirrt, enttäuscht, überrascht? Worin unterscheiden sich Wahl-O-Mat und WahlSwiper? Welche Fragen haben sich vielleicht ergeben?

Um die Ergebnisse beurteilen zu können, sollten die Schüler*innen ihren „Favoriten“ näher kennenlernen und sich auf der entsprechenden Homepage informieren, wofür die Partei steht. In der Regel sieht man sofort die zentralen Forderungen und findet auch eine Zusammenfassung des Wahlprogramms. Wer hier in die Tiefe gehen möchte, kann z.B. aufgeben, eine der unbekannteren Parteien in einem Kurzreferat vorzustellen. Alternativ findet man bei der BpB Kurzprofile zu den Standpunkten der Parteien. Dort bekommen die Schüler*innen eine erste Einschätzung zu ihrem Ergebnis.

Sonderfall: „Kleine“ Parteien?

Gerade bei den „kleineren“ Parteien kommt häufig der Einwand, diese zu wählen sei eine verschenkte Stimme. Diese These kann man übrigens im Unterricht aufstellen und diskutieren lassen. Ich halte sie nämlich für grundlegend falsch, ja geradezu undemokratisch. Grundsätzlich würde das bedeuten, dass es nie Veränderungen gäbe und das Parteiensystem für immer in Stein gemeißelt wäre. Die historische Entwicklung zeigt aber, dass das nicht stimmt. Das jüngste Beispiel ist die AfD, die erst seit 2013 existiert, aber seitdem bei jeder Wahl in die Parlamente eingezogen ist und ebenso bei der Bundestagswahl viele Sitze ergattern konnte.

Für die Europawahl gilt diese These erst recht nicht, da bereits vergleichsweise wenige Stimmen schon für einen Sitz im EU-Parlament reichen können. Ein gewisses Aufsehen erregte hier zum Beispiel Martin Sonneborn (Die PARTEI), der mit nur 0,6% der deutschen Stimmen einen Sitz bekam – das waren gerade einmal 184.709 Stimmen, also nicht viel bei 61.998.824 Wahlberechtigten (Zahlen vom amtlichen Ergebnis, Bundeswahlleiter).

Die wahlberechtigten Schüler*innen sollten meiner Meinung nach also ermutigt werden, auch vermeintlich unbedeutenden Parteien ihre Stimme zu geben. Es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die sich ständig über die Politik beschweren, und bemängeln, dass sich nichts ändere, aber die dann doch wieder die üblichen Parteien wählen und somit dazu beitragen, dass sich eben „nichts ändert“. Das Ergebnis der letzten Bundestagswahl hat ja gezeigt, zu welch „alternativlosen“ Zuständen diese Einstellung führt.

Vertiefung: Perspektiven der EU

In höheren Klassen oder bei Interesse kann man noch einen Schritt weitergehen und sich mit der Zukunft der EU beschäftigen. Häufig ist davon zu lesen, die kommende Wahl sei richtungsweisend und eine wichtige Weichenstellung. Ereignisse wie der Brexit, aber auch der wachsende Populismus sorgen ebenfalls für Diskussionen. Andererseits haben gerade die Jugendlichen in der Debatte um den umstrittenen „Artikel 13“ gezeigt, dass sie sehr wohl aufmerksam für europapolitische Themen sind, gerade wenn sie sich betroffen fühlen. Auch das Engagement bei „Fridays for Future“ zeigt, dass viele Jugendliche intrinsische Motivation für Politik empfinden, was man in diesem Ausmaß schon lange nicht mehr gesehen hatte. Diese Chance sollte man nutzen, um entsprechend offen im Unterricht zu diskutieren, gerade in Abiturklassen. Auch Initiativen wie „Pulse of Europe“ setzen ein Zeichen für die EU und bieten Anlass zur Beschäftigung.

Eine anspruchsvolle Aufgabe wäre es daher, Verbesserungsvorschläge für die EU zu erarbeiten. Alternativ kann man die Schüler*innen auch die Reformvorschläge von Frankreichs Präsident Macron beurteilen und diskutieren lassen, die dieser im März 2019 in einem offenen Brief an alle Europäer*innen formuliert hatte. Diese Vorschläge können die Schüler*innen zudem auch mit den Parteipositionen vergleichen und so versuchen herauszufinden, welche Partei diese Ideen wohl am ehesten unterstützen würde.

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