Allgemein, Datenschutz, Technik

Thema Datenschutz: Was ist das eigentlich? (Datenschutz #1)

Vergangene Woche war Europäischer Datenschutztag, der für das Thema sensibilisieren soll. Spätestens seit die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Jahr 2018 in Kraft getreten war, hat eine breitere Öffentlichkeit davon Kenntnis genommen (wenn auch teilweise mit Verwirrung und Frust verbunden). Auch in Schulen spielt Datenschutz eine wichtige Rolle. Als Datenschutzbeauftragter habe ich damit häufiger zu tun und möchte daher eine kleine Blog-Reihe dazu starten. Zum Auftakt geht es erst einmal um Grundlagen.

Um welche „Daten“ geht es?

Die Frage ist nicht so banal, wie es scheint. Häufig herrscht Unklarheit darüber, worum es beim Datenschutz genau gehen soll. Daher schauen wir uns zunächst entsprechende Definitionen an.

Mit „Daten“ sind in der Regel personenbezogene Daten gemeint: „Daten sind personenbezogen, wenn sie eindeutig einer bestimmten natürlichen Person zugeordnet sind“ (Wikipedia). Die einfachsten Beispiele dafür sind Namen, Adressen und Telefonnummern.

Im elektronischen Zeitalter sind aber auch Daten personenbezogen, die zunächst anonym erscheinen. Zum Beispiel ist die IP-Adresse des Internetanschlusses personenbezogen, auch wenn es „nur“ eine Nummer ist. Jeder Internetanschluss hat eine eindeutige Nummer, die der Provider zuordnen kann. Somit ist es möglich, im Bedarfsfall den Besitzer des Internetanschlusses zu ermitteln. Nimmt man nun noch Online-Konten bei diversen Plattformen und die Cookies hinzu, dann kommt schnell ein riesiger Berg an Daten zusammen.

Karikatur Google-Herzschrittmacher
Techfirmen können bereits sehr präzise Vorhersagen über uns treffen. (Bild: GDD e.V. / http://www.gdd.de/downloads/materialien/cartoons)

Wozu Datenschutz?

Der Begriff „Schutz“ macht schon deutlich, dass es hier um etwas geht, das zu unseren Gunsten eingerichtet wurde. Für eine Definition kann man verschiedene Quellen heranziehen, zum Beispiel die Webseite des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Internetsicherheit (BfDI):

Das Grundgesetz gewährleistet jeder Bürgerin und jedem Bürger das Recht, über Verwendung und Preisgabe seiner persönlichen Daten zu bestimmen (Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung). Geschützt werden also nicht Daten, sondern die Freiheit der Menschen, selbst zu entscheiden, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.

„Ich habe doch nichts zu verbergen.“

Diesen Satz hört man häufig, wenn man mit anderen über Datenschutz spricht. In späteren Beiträgen werde ich auf konkrete Beispiele aus alltäglichen Apps und Diensten eingehen, die zeigen, dass es doch nicht so einfach ist.

Es lässt sich aber auch durch einfachere Beispiele zeigen, dass Datenschutz nicht so unwichtig ist. Wie würde man wohl auf folgende Aufforderungen reagieren?

  • „Gib mir mal dein Handy, damit ich mir in Ruhe alles anschauen kann. Vor allem deine Fotos und Chat-Verläufe interessieren mich.“
  • „Lass’ mich deinen Browserverlauf mal unter die Lupe nehmen.“
  • „Gib mir mal deinen Personalausweis. Ach, und wie viel wiegst du? Wie ist deine Telefonnummer?“
  • „Wann hattest du zuletzt Sex, und mit wem?“

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Natürlich würde man erwidern, dass das ja nicht dasselbe sei. Aber hier liegt der Irrtum: Genau das ist es, worum es beim Datenschutz geht. Unser Privatleben, unser Verhalten, unsere Gewohnheiten etc., all das geht niemanden etwas an. Wir müssen selbst bestimmen können, wer Zugriff auf diese Daten hat und wer nicht. Das ist das Ziel der DSGVO und anderer bestehender Datenschutzgesetze.

Fazit

Der Gedanke, sich keiner Schuld bewusst zu sein, ist nicht gleichzusetzen mit dem Willen zu völliger Transparenz. Wenn dem so wäre, warum bauen wir dann nicht unsere Häuser aus Glas? Und wieso schließen wir unsere Haustüren und lassen sie nicht offen stehen? Wozu gibt es Rechte wie das Briefgeheimnis? Warum laden wir nicht wildfremde Menschen von der Straße in unsere Wohnung ein, um sich mal umzusehen? Warum laufen wir nicht mit großen Schildern mit Name, Adresse und Telefonnummer herum? Warum stellen wir nicht alle unsere Smartphones um und löschen PIN und Zugriffssperre?

Ist es nicht komisch, dass wir online eine andere Vorstellung von Privatsphäre zu haben scheinen?

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