Allgemein, Datenschutz, Technik

Goodbye, Facebook: Abschied von der Datenkrake (Teil 2)

Schon im 1. Teil hatte ich dargelegt, welche Gründe vor allem inhaltlich und strukturell gegen Facebook sprechen. Ein weites Feld ist aber noch offen: Datenschutz bzw. Datensouveränität und Tracking. Diesem technischen, aber enorm wichtigen Bereich widme ich mich in diesem Teil.

Wenn es um die Gefahr für persönliche Daten geht, muss man zunächst unterscheiden zwischen versehentlichen Veröffentlichungen von Daten einerseits und der absichtlichen Datenverwendung andererseits.

Datenlecks und -pannen

Wenn Facebook Negativ-Schlagzeilen beim Thema Datenschutz macht, dann häufig im Zusammenhang mit „Datenlecks“ bzw. „Datenpannen“, wie die Vorfälle dann bezeichnet werden. Hierüber gibt es viele Informationen und Berichte. In regelmäßigen Abständen gibt es größere oder kleinere Pannen, die zur Veröffentlichung von Daten führen. Eine kleine Übersicht mit den prominentesten Fällen findet man z.B. beim SWR Marktcheck (allerdings fast zwei Jahre alt, in der Zwischenzeit gab es schon weitere Fälle).

Es gibt hier verschiedene Arten von Lecks; mal sind es Fehler bei Facebook, die den Zugriff auf Millionen Nutzerkonten samt Passwörtern ermöglichen, mal sind es Apps, die innerhalb von Facebook installiert werden und Daten auslesen können. Allen Fällen gemein ist, dass sie ein großes Sicherheitsrisiko darstellen, weil meist neben den Nutzerdaten wie E-Mail-Adressen auch die Passwörter zugänglich sind. Begeht man dann den Fehler, für verschiedene Online-Dienste die gleichen Daten zu verwenden, dann hat man im Grunde alle Türen geöffnet – der absolute GAU.

Doch das Perfide an Facebook ist ja nicht das Risiko des Datenverlustes, denn dies kann im Grunde auf jeder Webseite passieren, auf der man ein Konto erstellt hat. Das Problem bei Facebook ist die gewollte Datenweitergabe im Hintergrund, gegen das Wissen (und womöglich gegen den Willen) der User.

Was habe ich selbst an Facebook weitergegeben?

Mittlerweile ist der Filterblasen-Effekt weitestgehend bekannt. Der Einfluss von Algorithmen auf den Inhalt, den wir in sozialen Netzwerken und vielen anderen Bereichen des Internet sehen, ist nicht immer einfach zu erkennen. Doch spätestens beim Thema Werbung ist sicher jedem schon aufgefallen, wie überraschend aktuell und passgenau die Vorschläge sein können. (Ich kann das nicht gut nachvollziehen, da ich natürlich überall Adblocker verwende. 🤷‍♂️)

Alle Informationen herunterladen

Facebook nutzt dafür verschiedene Datenquellen. Die naheliegendste ist natürlich Facebook selbst, also alles, was ich als Nutzer selbst dort eintrage: Profil, Fotos, Beiträge, Kommentare, Likes etc. Da kann einiges zusammenkommen, und das kann man sich auch genau anschauen. Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erlaubt den Nutzern, bei allen Institutionen – ob on- oder offline! – die eigenen Daten einzusehen. Facebook bietet dafür eine eigene Funktion, die ich hier kurz zeigen möchte.

In meinem Fall beinhaltet der entpackte Daten-Ordner 3.445 Objekte mit insgesamt 771 MB Größe. Das ist wahrscheinlich nicht viel, da ich in den letzten Jahren kaum noch Facebook genutzt habe. Sehr aussagekräftig ist das wahrscheinlich nicht, da all die Textkommentare und Likes natürlich kaum Speicherplatz beanspruchen, aber gerade für die Algorithmen unverzichtbar sind. Dennoch erhält man einen gut übersichtlichen Einblick in die eigene Facebook-Vergangenheit.

Tracking: Was Facebook auch passiv von mir weiß

Hier will ich nicht zu sehr in technische Details gehen, doch wahrscheinlich haben die meisten schon von Cookies und Trackern gehört. Diese werden von Facebook und Co. benutzt, um das Verhalten der Seitenbesucher zu analysieren – und zwar über den Browserverlauf hinweg, also auch zuvor und hinterher besuchte Seiten. Das Problem: Diese Tracker sind mindestens rechtlich umstritten, wenn nicht gleich rechtswidrig. Schließlich handelt es sich um eine Datenverarbeitung, der man als Nutzer in der Regel nicht zugestimmt hat. Für Werbeanbieter wie Facebook sind sie aber äußerst wichtig, denn diese passiv anfallenden Daten sind wahrscheinlich noch wertvoller als die Dinge, die wir bewusst selbst auf Facebook schreiben.

Schauen wir uns konkrete Daten an. Matthias Eberl hat über 130 Nachrichtenseiten und Verlagsangebote ausgewertet um herauszufinden, wie viele davon Facebook „mitlesen“ lassen, und seine Ergebnisse u.a. auf seiner Seite „Rufposten“ veröffentlicht.

Das Fazit: Facebook liest fast überall mit. Durch Tracking-Tools kann der Konzern in vielen Fällen erkennen, welche Artikel ein Facebook-Nutzer anklickt. Die Gesetze untersagen diese Form von Tracking, aber die Verlage stört das nicht.

Facebook ist demnach „auf rund 75 Prozent der deutschen Medienseiten präsent“ und kann dadurch „meist artikelgenau und personenbezogen den deutschen Medienkonsum auswerten“. Doch was bedeutet das konkret? Eberl nennt selbst ein Beispiel: „Wer bei ‚Eltern.de‘ über Schwangerschaftsabbruch oder Samenqualität liest, muss damit rechnen, dass diese Informationen bei Facebook profilbezogen gespeichert werden.“

Das heißt: Nahezu alles, was ich generell im Netz anschaue, wird mit meinem Profil verknüpft – egal, ob ich überhaupt auf Facebook ein Konto habe oder nicht. Eben diese Daten sind es, die Facebook dann weiterverkaufen kann. Je genauer das Profil, desto gezielter ist Werbung möglich, desto lukrativer ist es für das Unternehmen.

Der Triumph für Facebook: Smartphones und Apps

Facebook-App

Die selbst weitergegebenen Informationen sowie das Surfverhalten werden im Zeitalter der Smartphones aber noch getoppt. Die eindeutige Geräte-ID einerseits sowie die Apps andererseits machen Facebook zum „größten überwachungsbasierten Unternehmen in der Geschichte der Menschheit“, wie John Lanchester in seinem Essay „ Du bist das Produkt“ , den ich im 1. Teil bereits zitierte, formulierte.

Der Facebook-Button spürt jeden Facebook-Nutzer auf, ob der ihn anklickt oder nicht.

John Lanchester

Doch es ist nicht nur der „Facebook-Button“ selbst, der die Erstellung passgenauer Nutzerprofile unterstützt. Es sind auch die anderen Apps, die gar nichts mit Facebook zu tun haben. Im Artikel „ Facebooks unsichtbare Datensammlung“ auf Mobilsicher.de kommt Autorin Miriam Ruhenstroth zum Ergebnis, dass 30% aller Apps (Tendenz vermutlich steigend) Kontakt zu Facebook aufnehmen, sobald man sie nur startet – unabhängig davon, ob man ein Facebook-Konto hat oder die App installiert hat. Wichtig ist die sogenannte Werbe-ID, die jedem Nutzer zugeordnet wird. So ist profilbezogenes Tracking immer möglich. „Facebook sammelt auf diesem Weg wertvolle Informationen außerhalb der eigenen Plattform: Wer benutzt welche Apps und wann?“ Wenn man auf das eigene Smartphone schaut, kann man ja mal überlegen, bei welchen Apps die unfreiwillige Weitergabe von Nutzerdaten an Facebook und Co. vielleicht nicht so wünschenswert ist.

Gerade bei Smartphones hat Facebook noch weitere Asse im Ärmel: Denn selbst wer Facebook nicht nutzt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Facebook-Apps installiert. So hatte ich bereits in Teil 1 gezeigt, dass zwar unter Jugendlichen die Nutzerzahlen von Facebook rapide sinken. Doch Instagram ist sehr beliebt und gehört bekanntlich ebenfalls Facebook. Und spätestens bei Messengern ist es klar: Platzhirsch WhatsApp findet sich wahrscheinlich auf jedem Smartphone – und damit eben auch Facebook, auch wenn sich hier angesichts geplanter Datenschutzänderungen mittlerweile ein gewisser Widerstand regt.

Zum Thema Widerstand gegen geplante Änderungen nennt John Lanchester auch einen Präzedenzfall: „Das eine Mal, dass Facebook seine User zum Überwachungsmodell befragte, war 2011, als es eine Änderung seiner allgemeinen Geschäftsbedingungen vorschlug […]. Das Ergebnis der Umfrage war eindeutig: 90 Prozent stimmten gegen die Änderungen. Facebook ignorierte das einfach und führte sie trotzdem durch“

Und was denkt Mark Zuckerberg eigentlich selbst über die Facebook-Nutzer? Nun, das ist spätestens seit 2010 bekannt, als Chatprotokolle von ihm auftauchten:

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