Computer, Technik

Neue Mac OS-Versionen auf nicht unterstütztem Mac installieren

Mac OS X 10.6 „Snow Leopard“ galt als das Windows XP der Apple-Welt: zuverlässig, auf vielen Rechnern installiert und die Leute trennten sich nur ungern davon. Doch anders als bei XP, auf dem man noch die aktuellste Software installieren kann, ist das bei alten Versionen von Mac OS nicht mehr möglich. Der Benutzer wird zum Upgrade gezwungen, wenn er aktuelle Software verwenden will. Warum ist das so? Welche Möglichkeiten hat man als Besitzer älterer Mac-Modelle?

Wo ist überhaupt das Problem?

Apple bietet mittlerweile die OS-Upgrades kostenlos an, eigentlich sollte es also kein Problem sein, das System aktuell zu halten. Der Haken dabei ist aber, dass nur bestimmte bzw. neuere Mac-Modelle unterstützt werden. Nun könnte man natürlich auf das OS-Upgrade verzichten und bei Snow Leopard bleiben. Das Problem: immer mehr Software wird nicht mehr für ältere Mac-Versionen weiterentwickelt. Bemerkbar ist das besonders bei Browsern, was auf Dauer zu Sicherheits- und Darstellungsproblemen führen kann. Apples Strategie, die Nutzer zum Neukauf teurer Modelle zu zwingen, bemerkt man schon daran, dass ausgerechnet der hauseigene Browser „Safari“ der erste war, der nicht mehr für ältere Mac-Versionen weiterentwickelt wurde. Benutzer konnten wenigstens noch mit Firefox oder Chrome über die Runden kommen, doch seit 2016 gibt es auch hier keine Updates mehr. Auch neue Versionen von Programmen wie Microsoft Office für Mac setzen ein relativ aktuelles Mac OS voraus.

Betroffene Geräte und technische Hintergründe

Man kann die Geräte nicht direkt nach Alter einteilen, denn manche ältere Pro-Geräte können noch problemlos die Upgrades durchführen. Beispiele: Auf meinem MacBook Pro 4,1 von 2008 habe ich ganz normal Mac OS X 10.11 „El Capitan“ installieren können. Das gleichzeitig erschienene MacBook 4,1 wird allerdings nicht mehr unterstützt und kann maximal auf 10.7 „Lion“ aktualisiert werden. Recht übersichtlich dargestellt wird das zum Beispiel auf Wikipedia, wo man auch gleich sehen kann, welche Hardware standardmäßig verbaut wurde.

Der Unterschied zwischen unterstützten und nicht unterstützten Geräten liegt am EFI-Bootloader. Auf der Seite, auf der ich die unten beschriebene Anleitung gefunden habe, wird das kurz erklärt:

OS X 10.6 Snow Leopard was the first OS X version with optional support for a 64-bit kernel, allowing booting either with a 32-bit or 64-bit kernel. However, Apple did not support booting the 64-bit kernel in Macs that shipped with EFI32 firmware, even if they had 64-bit processors capable of running the 64-bit kernel. When Apple dropped the 32-bit kernel entirely from OS X, starting with OS X 10.8 Mountain Lion, EFI32 Macs no longer had an Apple-supported mechanism to boot newer OS X versions.

Vereinfacht ausgedrückt: die Software, die den Start des Betriebssystems einleitet, unterstützt nur 32-bit-Betriebssysteme, obwohl viele Mac-Modelle eigentlich technisch in der Lage wären, 64-bit-Systeme zu nutzen, wie z.B. das MacBook 4,1, das einen Doppelkern-Prozessor hat und damit 64-bit unterstützt.

Versierte Nutzer haben nun Wege gefunden, wie man die Firmware so verändern kann, dass ein neueres System installiert werden kann. Anfangs war das noch sehr umständlich, doch mittlerweile gibt es komfortablere Lösungen. Die einfachste, die ich erfolgreich getestet habe, möchte ich hier vorstellen, zumal kaum deutsche Seiten existieren, die das anständig erklären.

Anleitung: Mac OS X 10.10 „Yosemite“ auf dem MacBook 4,1 („Early 2008“)

Ein Hinweis vorneweg: das MacBook im Auslieferungszustand (2,1 GHz CPU, 1 GB RAM, Standard-HDD) wird sicher Schwierigkeiten mit einem neueren Mac OS haben. Das hier verwendete MacBook wurde mit einer SSD und zusätzlichem Arbeitsspeicher (jetzt 4 GB) aufgerüstet.

Schritt 1: Voraussetzungen schaffen

Folgendes ist zu tun:

  • Upgrade auf Mac OS X 10.7 „Lion“ durchführen (letztes offiziell unterstütztes OS)
  • mindestens 2 GB Arbeitsspeicher im MacBook vorhanden
  • Installations-Datei für 10.10 „Yosemite“ im AppStore herunterladen (oder von Bekannten besorgen; das OS war von Apple gratis und wird auf einem Mac installiert, ist also legal)
  • das Programm MacPostFactor herunterladen und installieren

Schritt 2: USB-Stick/Laufwerk vorbereiten

Mit dem Festplattendienstprogramm wird das Installationsmedium vorbereitet. Man könnte auch eine Partition auf der internen Festplatte erstellen und davon booten, aber ich verwende lieber ein externes Medium.

usb-formatieren
Im Festplattendienstprogramm links den USB-Stick auswählen, dann oben auf „Löschen“ klicken und sichergehen, dass das Format auf „OS X Extended (Journaled)“ steht.

Schritt 3: Installationsmedium erstellen

Mittels MacPostFactor wird ein bootfähiger USB-Stick erstellt, der die Installation für „Yosemite“ enthält. Das Programm passt dabei automatisch alles an den gewünschten Ziel-Mac an.

mpf1
Oben das zu installierende Betriebssystem anklicken, unten den USB-Stick mit der entsprechenden Partition auswählen, welche für die Installation verwendet werden soll.
mpf2
Im nächsten Fenster oben „Clean Install“ auswählen (einzige Möglichkeit), darunter auf „EFI64 (MacBook3,1 or MacBook4,1)“ stellen. Das ist der entscheidende Schritt, durch den das MacBook fähig wird, das neuere OS zu laden. Die Häkchen unten auf den Voreinstellungen belassen.

Schritt 4: vom USB-Stick booten und „Yosemite“ installieren

Den Mac ausschalten, nach dem Einschalten direkt die Taste alt gedrückt halten und warten, bis die Auswahl des Startmediums erscheint.

usb-wahl
Hier den erstellten USB-Stick anklicken, um vom Installationsmedium zu starten.

Bevor man das neue Mac OS installiert, sollte man noch die Festplatte formatieren.

setup1
Hierzu ignoriert man zunächst die Installation und klickt oben auf „Utilities“ und wählt „Disk Utility“ (=Festplattendienstprogramm).
setup2
Links wählt man die Zielpartition aus, rechts klickt man auf „Löschen“. Hier wieder darauf achten, dass „Mac OS Extended (Journaled)“ als Format ausgewählt ist.

Wenn die Festplatte formatiert wurde, schließt man das Festplattendienstprogramm wieder und kann mit der Installation beginnen. Übrigens nicht irritieren lassen, die Menüs sind zwar Englisch, aber das System ist später Deutsch.

setup3

Schritt 5: „Treiber“ installieren

Nachdem „Yosemite“ installiert ist und man zum ersten Mal den Mac gestartet hat, wird man noch aufgefordert, ein paar Einstellungen vorzunehmen. Hier merkt man schon, dass das System recht langsam ist und ruckelt. Auch der Ton funktioniert noch nicht. Das liegt daran, dass der Grafikchip nicht offiziell von „Yosemite“ unterstützt wird. Bei Macs gibt es normalerweise keine Treiber, die installiert werden müssen. Für bestimmte Fälle gibt es aber sogenannte „kexts“, die im Grunde Treibern entsprechen und nachinstalliert werden können.

Nun muss man wissen, welcher Grafikchip verbaut ist. Im Fall des MacBook 4,1 ist das ein Intel GMA X3100. Über eine kurze Google-Suche bin ich auf eine passende kext-Datei gestoßen, zum Download hier. Um diese Datei zu installieren, benötigt man ein Programm wie Kext Utility. Auf der verlinkten Seite sieht man schon eine Vorschau auf das Programm. Nach dem Starten muss man kurz warten, dann kann man die kext-Datei einfach ins Fenster ziehen, um sie zu installieren.

Damit das MacBook auch dauerhaft diese kext-Datei nutzt, muss man nach der Installation in den „Single User Mode“ booten. Dazu das MacBook ausschalten und nach dem Einschalten gleich Command + S gedrückt halten. In der folgenden Kommandozeile gibt man diesen Befehl ein: sudo nvram boot-args=“kext-dev-mode=1″. Danach mit dem Befehl reboot den Rechner neu starten und nun müsste es funktionieren.

Optional: Time Machine für Backup und Wiederherstellung verwenden

Da während der Installation die Festplatte formatiert und alles gelöscht wird, sollte man vorher ein Backup erstellen. Das geht am Mac ganz einfach mit dem integrierten Programm Time Machine. Sobald man ein Backup besitzt, kann man dies bei der Installation des neuen Mac OS wiederherstellen. Dafür erscheint dann extra ein Hinweisfenster an passender Stelle. Dabei kann man auch auswählen, ob man nur die Dateien oder auch die Programme wiederherstellen möchte. Ich habe alles ausgewählt und es hat problemlos funktioniert.

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3 Gedanken zu „Neue Mac OS-Versionen auf nicht unterstütztem Mac installieren“

  1. Leider wird nicht erwähnt, dass bei dem Treiber für die Grafikkarte keine Beschleunigung enthalten ist, so das höher aufgelöste Videos start ruckeln. Es gibt scheinbar auch keinen entsprechenden Treiber, der das Problem löst. Somit ist es besser, auf 10.7.5 zu verbleiben.

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    1. Danke für den Hinweis. Ich habe das System nicht lange getestet, sondern nur geschaut, ob diese Vorgehensweise überhaupt funktioniert, denn ich besitze dieses MacBook nicht selbst. Mit Grafikproblemen hatte ich aber fast gerechnet, denn Apple mag es ja leider nicht, wenn man solche Spielchen macht.

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